organisiert von: Librería Utopía - radical bookstore vienna
Location: Librería Utopía - radical bookstore vienna. 15., Preysinggasse 26-28 (U3 Schweglerstraße)
Url: https://www.facebook.com/events/1641442902789164/

Programm:

★ 17.30 Uhr: "Und schließlich bin ich abgehaut" Filmscreening & Diskussion mit Yassine Zaaitar & Birgit Mennel

"Harraga" brechen mit dem Regime der nationalstaatlich sanktionierten Identität: Mit dem arabischen Wort bezeichnen sich Menschen, die ihre Ausweise oder Pässe verbrennen und oft genug auch ihre eigene Jugend. Nicht nur um übers Mittelmeer oder andere Routen nach Europa zu reisen, sondern auch um irgendwo anders als im "Bled" – dem Ort ihrer Jugend und Herkunft – ihr Glück zu finden. Sie brechen mit fundamentalen Regeln, wenn sie sich dem Blick entziehen und sich unwahrnehmbar machen. So werden sie innerhalb der löchrigen und aufgeschreckten Festung Europa zum Objekt von Statistiken und medialen Darstellungen, wie zuletzt etwa vor der pelagischen Insel Lampedusa. Der Kurzfilm "Und schließlich bin ich abgehauen!" durchbricht diese Repräsentationen. Der im Rahmen eines Wiener Politkunstfestivals von Yassine Zaaitar und Anderen erarbeitete Film lässt uns ihre Stimmen vernehmen: Sie erzählen von den täglichen Polizeischikanen, denen Harraga ausgesetzt sind, vom Leben auf der Flucht vor den eigenen Fingerabdrücken und vom ungebrochenen Wunsch nach einem Leben in Freiheit. Konsequent bleiben im Film die Sprechenden unsichtbar. Die Montage trennt Gesichter und Stimmen und wird zu einem kollektiven Porträt einer Bewegung im Raum, die sich dem Grenzregime Europas entziehen will. "Während wir die Erzählung eines Mannes aus Dakar hören, blicken wir aus einer Schnellbahn, die Wien mit dem Vorort Traiskirchen verbindet, wo sich ein staatliches Lager für Asylsuchende befindet. Während wir die Stimme eines Mannes aus Oujda hören, flieht der Asphalt einer österreichischen Straße an uns vorbei: Konkrete Bewegungen im Raum und Stimmen. Nur Yassine Zaaitar tritt vor die Kamera und wagt es, sein Gesicht und seine passionierte Rede zu vereinen und der Öffentlichkeit auszusetzen. Der kurze Film ist das rare Dokument einer selbstbestimmten Rede von Reisenden, die keine Grenzen respektieren und deren Leben die politische Maxime ‚No boder – No nation’ intensiv – und oft auch schmerzhaft – verwirklicht. Anstatt ihre Geschichten professionellen FilmemacherInnen anzuvertrauen, haben Harraga die Position der Filmemacher_innen erobert. Mit allem Recht nehmen sie den immer offenen Ort des Kinos für sich in Anspruch."

Ein Film von Yassine Zaaitar & Aufenthaltsraum, 2013, 23min.

★ 18.30 Uhr: "Fremde von Staats wegen. 50 Jahre »Ausländerpolitik« in Österreich" Buchpräsentation & Diskussion mit Lisa Grösel

"Fremde von Staats wegen" ist ein wichtiger Beitrag zu einer systematischen Neu-Aufarbeitung der Geschichte der österreichischen "Fremdenpolitik" aus kapitalismus- und staatskritischer Perspektive. Von der aktiven Anwerbung von ausländischen Arbeitskräften über Aufnahmestopp und Grenzschließung, von der Aktivierung von Arbeitskräften aus der osteuropäischen Peripherie bis zur neoliberalen Selektionspolitik der Gegenwart: Lisa Grösel zeichnet umfassend und detailliert die Entwicklung staatlicher Politik in Bezug auf Ausländer_innenbeschäftigung, Zuwanderung oder Asyl im Kontext sich wandelnder gesellschaftlicher Kräfteverhältnisse nach. Der Band ist aber auch eine Fallstudie der Transformation nationalstaatlich verfasster Politik im Europa der postfordistischen Globalisierung. Migrationspolitik wird dabei im Wesentlichen als Regulation von Arbeit im Interesse des herrschenden Akkumulationsregimes gelesen. Der Band schließt eine Lücke: Jenseits von Empörung und humanitären Diskursen wird das politische Feld der Migration und die grundlegende legislativ-rechtliche Spaltung in Staatsangehörige und Fremde als struktureller Ausbeutungsmechanismus analysiert.

Lisa Grösel lebt in Wien, studierte Geschichte an der Universität Wien und arbeitet im Kulturzentrum im Amerlinghaus.

Link zum Buch: http://mandelbaum.at/books/806/7604

★ 19.30 Uhr: "Solidarität als Übersetzung. Überlegungen zum Refugee Protest Camp Vienna." Buchpräsentation & Diskussion mit Monika Mokre

Im November 2012 zogen Aktivist_innen vom größten Asylwerber_innenlager Österreichs nach Wien, um gegen die Lebensbedingungen von Asylwerber_innen zu protestieren. Sie errichteten ein Camp in Wien, besetzten eine Kirche, manche von ihnen traten in Hungerstreik. Über zahlreiche Stationen hinweg war die Bewegung unter dem Namen Refugee Protest Camp Vienna aktiv. Das Refugee Protest Camp Vienna ist ein Versuch der Übersetzung. Der Übersetzung des Begehrens der Refugees in hegemoniale Diskurse – Menschenrechte, Integrationswille, Leistungsbereitschaft. Der Übersetzung von Lebensgeschichten in Gesetzesparagraphen. Aber auch der Übersetzung innerhalb der Bewegung – zwischen Menschen mit höchst prekärem Status und Menschen mit gesichertem Aufenthalt. Zwischen Menschen zahlreicher Nationalitäten, Asylsuchenden, Transmigranten, Sans Papiers, Männern und Frauen. Wie lässt sich Solidarität übersetzen, wie schafft man Solidarität zwischen Ungleichen? Wo scheitert diese Übersetzung? Und was entsteht aus diesem Scheitern?

Monika Mokre ist Politikwissenschaftlerin an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Obfrau des eipcp und Aktivistin des Refugee Protest Camps Vienna. In ihrer Forschungstätigkeit und ihrer politischen Arbeit beschäftigt sie sich mit europäischer Demokratie, Migration und Kulturpolitik.

Link zum Buch: http://transversal.at/books/solidaritaetalsuebersetzung

Im Anschluss an die inhaltlichen Programmpunkte gibt es ein veganes Buffet, burgendländischen Wein und Musik! Wir freuen uns, mit euch gemeinsam den 2. Geburtstag von Librería Utopía zu feiern! Eintritt frei – Spenden erbeten.

Die Veranstaltung ist kostenlos und wird von unserem Kulturverein "Assoziation Panda – Verein zur Förderung des kritischen literarischen Diskurses" organisiert.

zeitdiebin – linker und radikaler Kalender für Wien