organisiert von: Textdiskussion
Location: Infoladen, Wielandgasse 2-4, 1100 Wien
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Diesmal soll der Text "Die Tyrannei der Geschwindigkeit" diskutiert werden. Dieser entstand rund um die Kämpfe gegen den Ausbau des Hochgeschwindigkeitszuges TGV in Frankreich 1991. 2015 wurde der Text ins Deutsche übersetzt und sollte einen Beitrag rund um Stuttgart 21 liefern.

"Kurz gesagt: Alles steht zum Besten in der »besten aller möglichen Welten«, solange man diese moderne Welt als die einzig mögliche betrachtet und sie ebenso wenig infrage stellt wie all ihre technischen Fortschritte; mit anderen Worten, solange niemand die schlichte Frage nach dem Gebrauch des Lebens stellt: Warum, zum Teufel, muss die Reisezeit permanent und um jeden Preis verkürzt werden, obwohl die Reise gerade durch ihre Umwandlung in reinen Transit umso länger erscheint und so eigentlich erst zu einer Quälerei wird?"

"Nur wer seine eigene Zeit auf dem Arbeitsmarkt teuer genug verkauft, hat auch ein Interesse daran, den vom TGV angebotenen Zeitgewinn zu kaufen. Obwohl hier einmal mehr die alte Klassengesellschaft abgewandelt aufscheint, gibt es einen großen Unterschied zur einstigen gesellschaftlichen Hierarchie: Die Inhaber dieser eher aufgenötigten als gewährten Privilegien der Mobilität erscheinen heutzutage kaum beneidenswert. Zumindest nicht jenen, die sich einen Rest Sensibilität bewahrt haben. Denn keine Fahrgeschwindigkeit wird je den Verlust der Zeit wettmachen, die zu Geld gemacht, als Arbeitszeit verkauft oder als Freizeit zurückgekauft worden ist."

Kommt bitte vorbereitet, lest den Text und macht euch dazu Gedanken (evtl. Notizen). Wir wollen unsere Ideen und Vorstellungen teilen und diskutieren um unsere Kritik zu schärfen.

Den Text findet ihr hier und könnt ihn auch als Broschüre ausdrucken.

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