organisiert von: WIENWOCHE
Location: Unterschiedliche Orte Wiens
Url: http://www.wienwoche.org

„Grenzen sind nicht nur Terrain der Kontrolle, der Regulation, des Profitmachens und der Gewalt, sie sind immer auch Räume der Neubestimmung und Neuerfindung, die aus direkter Aktion und kritischer Utopie hervorgehen. Grenzgeschichten zeigen die vielfältigen Aspekte von Grenzen: Sie trennen – aber können nicht trennen. Inmitten der Grenzlandschaften vermehren sich die Schleichwege. Sie sind Spuren von kreativen Widerstandskräften, die uns den Welten des bedingungslosen Teilens und Füreinander-Sorgens näherbringen: das im Entstehen begriffene Gemeingut.

2018 lädt die WIENWOCHE ein zu künstlerischer Forschung, zu aktivistischen Ausflügen und zum Kampf ums Gemeingut, darum, dass die Welt endlich uns allen gehört. Bleib mit uns in Bewegung, für das, was uns alle bewegt“, so Nataša Mackuljak und Ivana Marjanović, das Leitungsteam von WIENWOCHE seit 2016.

An Genres bietet WIENWOCHE 2018: Comedy, Party, Performance, Interventionen und Installationen im öffentlichen Raum, Ausstellungen, Theater, Film, Workshops, Talks und eine Mitmach-Recycling-Fabrik.

Über das Programm von WIENWOCHE 2018

WIENWOCHE 2018 bietet an zehn Tagen ein dichtes Programm mit Ausstellungen, Performances, Installationen, Theater, Film, Spaziergängen und Workshops rund um das Festivalmotto „Über Grenzen, Schleichwege und Gemeingut“.

Allem voran steht die große Eröffnung mit Opening Party, am 14. September in der Nordbahn-Halle beim Wasserturm. Zunächst steigt die Comedy Gala Activist Comedy Against Bullshit (ACAB). Sie überschreitet Grenzen zwischen Entertainment und Politik, zwischen Schmähführer_innen und Aktivist_innen, zwischen Augenzwinkern und Angriff. Alles nach dem Motto „Punch up, don’t kick down!“.

Wen kümmert das alles? Eine Frage, die während WIENWOCHE 2018 an verschiedenen Plätzen – u. a. auch während der WIENWOCHE-Eröffnung am Geländer der Nordbahnhalle – im (öffentlichen) Raum steht. Hans-Jürgen Poëtz zielt mit seiner Installation im öffentlichen Raum The Question Is: Who Cares? ironisch ins Herz der Gesellschaft: Wer übernimmt Verantwortung? Wer interessiert sich für das, was passiert? Who cares? Eine Einladung, die eigenen Grenzen und Barrieren zu hinterfragen.

Nach der Comedy-Show heißt es: Ab auf die Tanzfläche! Es gilt die Politiken der Schleichwege und des Gemeinguts bei der Opening Party zu feiern. Headliner: GNUČČI, rising star am schwedischen Hiphop-Himmel, sowie die brasilianische DJ, Rapperin, Musikproduzentin, Feministin und LGBTiQ Aktivistin Luana Hansen. Weitere Live-Performances steuern Infinite Palace (ehemals Crazy Bitch In A Cave) und Pêdra Costa bei. An den Decks: TJ Hicks und Anna Leiser.

Stadtgeschichte: Rätekommunismus und Stadt-Linien

Das Papiertheaterstück Pannekoeks Katze des Kollektivs Zunder sucht nach historischen Spuren der Rätebewegung in Wien sowie nach gegenwärtigen Anknüpfungspunkten. Während diverser Spaziergänge und in anschließenden Theatervorstellungen wird von sich auftuenden politischen Freiräumen und dem Aufflackern der Idee einer herrschaftsfreien Gesellschaft erzählt.

Über eine verdrängte Grenze erzählt Tomash Schoiswohls Ausstellungs- und Spaziergangsprojekt „Wiener Linien Bau“ in der Spittelau, am Gelände der ehemaligen Wirtschaftsuniversität (WU). Einst war der Wiener Linienwall eine Grenze in der Stadt, heute existiert er zum Teil als Verkehrsbauwerk weiter. Aber wo verlaufen die neuen Grenzen in der Stadt? Welche Linien ziehen Wall und Verkehrsbetriebe durch Wien: verbindende oder trennende? Welche Anknüpfungspunkte zu aktuellen ordnungspolitischen Maßnahmen der Wiener Linien gibt es?

Wrestling gegen Homophobie und feministisch-aktionistische Video-Tutorials

Unter die Gürtellinie zielt „A Punch Below the Belt“ von Afro Rainbow Austria (ARA), der ersten Organisation von und für LGBTIQ+-Migrant_innen aus Afrika in Österreich. Für eine Gesellschaft ohne Homophobie und Rassismus steigen die Fearless Freedom Fighters gegen die Cunning Conservatives zu einer performativen Diskussion in den Wrestling-Ring.

Aktionistisch wird es auch mit AAA!, den Anonymen Älteren Aktionistinnen, die mit Videoanleitungen Frauen über 40 zu simplen und gleichermaßen radikalen Aktionen aufrufen, um sich den privaten und öffentlichen Raum im Alleingang zurückzuerobern.

Postmigrantische Identitätskonflikte

Der Film „Kreuzpunkt“ des I.DIRECT-Kollektivs (Regie: Basem Saifo) feiert seine Premiere bei WIENWOCHE und erzählt von Menschen, die ihre Identitätskrisen in einer Stadt durchleben, in der rechte Diskurse zur Normalität geworden sind. In den Wochen nach der Filmpremiere folgen Workshops zum Thema „Gesellschaftliche Polarisierung und Ideologien der Ungleichheit“. 

Die Suche nach einer besseren Welt, nach Freiheit und Demokratie thematisiert die Theaterproduktion „Ein Staatenloser“ von und mit Alireza Daryanavard. Basierend auf seiner Biografie erzählt der Künstler, wie ihn Zensur zur Flucht aus dem Iran zwingt und sich das Ankunftsland Österreich nicht als das ersehnte Paradies entpuppt, sondern als durchschnittliches rechtsregiertes Land.

Fluchtgeschichte, Kunst und Krieg

Drei Ausstellungen greifen das WIENWOCHE-Thema aus sehr unterschiedlichen Perspektiven auf: 2015 wurde(n) an Europas Innen- und Außengrenzen (Flucht-)Geschichte(n) geschrieben. Ein externes Kurator_innen-Team aus Migrant_innen und Einheimischen unter der Leitung von Science Communications Research hat unter dem Titel „Die Küsten Österreichs“ die Schausammlung des Volkskundemuseums Wien um einschlägige Objekte und Erläuterungen ergänzt.

Des ambivalenten Verhältnisses von Krieg und Kunst nimmt sich die von Ezgi Erol konzipierte Ausstellung „krieg kuratieren“ in der Meidlinger The DESSOUS Gallery an. Sie stellt unter anderem die Frage: Wann hat Kunst die Möglichkeit, mit Kriegstreiberei zu brechen, und wann wird sie selbst Teil des bellizistischen Systems?

Bottom-up Recycling-Fabrik, Kafka als Reiseführer und eine Festival-Zeitung

Am Favoritner Viktor-Adler-Markt, beim Stand 129, errichtet das in Belgrad beheimatete Kollektiv Minipogon eine für alle Interessierten offene Mini-Fabrik, die sich eine Arbeitswoche lang der Produktion von Gemeingut („commonness“) verschreibt. Hier entstehen neue Gegenstände aus altem Plastik – und Geschichten, die sich aus der Produktion ergeben: über Arbeit und Ökonomie, Material und Müll. Zum Mittagstisch werden Gäste geladen, um über Umweltproblematik, Arbeitsorganisation oder Open Hardware zu diskutieren. Mitarbeiten kann, wer möchte! Es gilt der 6-StundenTag!

Eine Reise ins Ungewisse unternimmt die offene Arbeitsgruppe im Rahmen von WIENWOCHE 2018: Der Kapitalismus lockt mit unpräzisen Versprechungen eines besseren Lebens. Gehorchen die Bewegungen der globalen (Arbeits-)Migration seinem Ruf oder sind sie vielmehr ein Akt des grenzüberschreitenden Widerstands? Unter dem Titel „K im Sommercamp“ erforschen 13 Teilnehmer_innen unter der Leitung des Belgrader Künstlerduos Bojan Djordjev und Siniša Ilić diese Frage mit künstlerischen Mitteln. Ausgangspunkt: Franz Kafkas Romanfragment „Amerika“. Zum Finale des Arbeitsprozesses ist das Publikum im Rahmen von WIENWOCHE ins Meidlinger WERK X eingeladen, eine performative Installation zu bestaunen – und zu bereichern. Das 2016 etablierte Format einer offenen Arbeitsgruppe ermöglicht Menschen eine aktive WIENWOCHE-Teilnahme jenseits klassischer Projekteinreichungen und versteht sich im Übrigen auch als kritischer Kommentar zu sanktionierten Formen der Entscheidungsfindung in der Kulturpolitik.

Das vielfältige Festivalprogramm von WIENWOCHE 2018 hat das Politik-Blog Mosaik dazu inspiriert, erstmals in einem Zeitungsformat an die Öffentlichkeit zu treten. Die Festival-Zeitung greift Themen von WIENWOCHE 2018 auf und ist seit 29. August unter anderem als Beilage der Straßenzeitung Augustin sowie ab 14. September bei allen WIENWOCHE-Venues erhältlich.

zeitdiebin – linker und radikaler Kalender für Wien