organisiert von: Textdiskussion
Location: Medienwerkstatt, EKH, Wielandgasse 2-4, 1100 Wien

Freitag 12.10. 19:30 "Rechte Kollegen" Medienwerkstatt, EKH Wielandgasse 2-4, 1100

Diesmal soll ein Artikel aus der Wildcat #101 diskutiert werden. Hier ein Link zum Artikel: https://share.riseup.net/#skaDVmqOvBslJkxdcqV09Q

Rechte Kollegen ...

Im Folgenden sechs Berichte aus der betrieblichproletarischen Realität. Wir hatten Genossinnen gebeten, aus den Betrieben, in denen sie arbeiten, zu drei Fragen einen kurzen Bericht zu schreiben.

• Was ist das Verhältnis zwischen rassistischen Äußerungen und dem tatsächlichen Verhalten der Leute?

• Wählen die Kollegen, die sich rassistisch äußern, auch die AfD/FPÖ? Sind sie womöglich sogar Mitglied oder anderweitig rechtsradikal organisiert?

• Haben die Probleme mit rechten Kollegen zugenommen? Gibt es in den Betrieben heute mehr Rechte als früher?

Baustelle sagt an der Stelle: Ja! Baustelle ist aber unentschlossen, wie der Begriff »rassistisch« zu fassen ist: Einerseits seien die Angestellten und die Mittelschicht weniger »rassistisch«, andererseits wird auf ihren hässlichen sozialen Rassismus hingewiesen. Wie ist eine Situation aufzuknacken, die von einer »rassistischen Grundstimmung« getränkt ist, in der sich aber jede/r dagegen verwehrt, »Rassist« zu sein? Die Problemstellung durchzieht alle Berichte. Fast überall wird massiver Rassismus festgestellt, aber von Einzelfällen abgesehen nicht als die monolithische »böse Identität«, die er in vielen antirassistischen Diskursen darstellt, sondern wesentlich widersprüchlicher, fließend, vielfältig gespalten - eher Ausdruck von Schwachsinn und Verzweiflung als von gefestigten HerrenmenschenAnsichten.

Was das Problem nicht kleiner macht!

Laut Betriebsuntersuchungen von Dörre u.a. (siehe S. 89) stimmen Arbeiterinnen heute tendenziell stärker als Angestellte der Aussage zu: »Es ist nicht genug für alle da, wir können nicht alle mitnehmen.« Nach Jahrzehnten der Niederlage haben sie den Eindruck, nichts mehr zu verschenken zu haben und selber immer zu kurz zu kommen. Der argumentative Schlagabtausch »Die BRD ist für das Elend in der Welt maßgeblich mit verantwortlich« versus »Wir können ja nicht alle Opfer von Kriegen und Klimakatastrophen aufnehmen« (siehe Finsterland) dreht sich deshalb im Kreis. Depressiven fehlt die Empathie, nicht das Wissen. Österreich war natürlich besonders spannend. Dort gibt es organisierte Rechte in den Betrieben. Als Struktur ist die FPÖ schwach, als Geist gefährlich stark. Aber in manchen Klein- und Mittelbetrieben ist sie auch gut organisiert und manchmal sogar hegemonial. Der Bericht aus der Autofabrik ist aufschlussreich, weil er Fließband und Büro im selben Betrieb miteinander vergleichen kann. Interessanterweise kommt er bzgl. des Rassismus zum entgegengesetzten Urteil wie Baustelle-. Im Büro wird mehr gehetzt - am Fließband sind sowieso die »Ausländerinnen« in der Mehrheit und die »Österreicherinnen« müssen sich anpassen. Vorläufiges vorsichtiges Resümee

1) Die Situation ist ganz schön beschissen. Die rechten Wahlerfolge haben aber auch Gegenreaktionen ausgelöst. »Das einzig Gute an der aktuellen Situation ist, dass viele Menschen sich nun politisch äußern« (Baustelle). »Die Erfolge der AfD und anderer Faschos bringen offenbar Leute dazu, einiges neu zu bedenken.« (Rohrreiniger)

2) Dranbleiben! »Gäb's mehr Genossinnen, wäre der rechte Dumpfsinn nicht so dominant«. »Man kann heute Dinge in Frage stellen, ohne gleich zum weltfremden Spinner erklärt zu werden.«

3) Wir wollen das fortsetzen. Wie verhalten wir uns als »Linke« konkret im Betrieb? Welches Verhältnis hat die Linke allgemein zur Maloche als Ort des Kampfs? Dann natürlich die Frage nach konkreten Formen der Selbstorganisation. Und last but not least das gemeinsame Bemühen, im Sinne einer revolutionären Perspektive auch theoretisch umfassend zu verstehen, was da gerade passiert. Denkbar wäre ein »offenes Treffen zur betrieblichen Realität« im Frühjahr.

Wie sind Eure Erfahrungen? Wir freuen uns über Berichte und Diskussionsbeiträge!

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