Walter Benjamin in Kurdistan
Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muss so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, dass der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm.
Peshraw Mohammed schrieb Bücher üb das Leben und Werk Benjamins, dessen Theorie des Übersetztens sowie der Geschichte. 2024 begann er mit “Der Erzähler und die Krise des Romans” die Veröffentlichung einer Übertragung von Benjamins Werken ins Kurdische, 2025 folgte “Die Einbahnstraße”. Andere Monographien drehen sich beispielsweise um das Kino bei Siegfried Kracauer, die kurdische Staatenlosigkeit im Lichte der Hegelschen Rechtsphilosophie, sowie die in Nietzsches Ästhetik angelegte Tendenz zur Selbstzerstörung. Aktuell schreibt er neben politischen Kommentaren an der englischen Studie “Genealogy of Demonization: The Interconnectedness of Antisemitism and Antikurdism.