organisiert von: arge fem
Location: transform!, Gusshausstraße 14/3, 1040 Wien
Url: https://wien.kpoe.at/termine/die-frauen-von-rojava/

Die sogenannte syrische Übergangsregierung in Damaskus, dominiert von Akteuren der ehemals alQaida-nahen Organisation Hay’at Tahrir al-Sham (HTS), führt derzeit einen neuen, gezielt eskalierten Krieg gegen die Autonome Selbstverwaltung Nord- und Ostsyriens (DAANES), auch bekannt als Rojava. Dieser Krieg droht Syrien in eine neue Phase massiver Gewalt und einen potenziellen Bürgerkrieg zu stürzen und stellt eine ernsthafte Gefahr für die regionale wie internationale Sicherheit dar. Die Offensive wird in enger Koordination mit der Türkei geführt. Der türkische Staat setzt Kampfjets, Drohnen und Aufklärungsflugzeuge ein und unterstützt dschihadistische Kräfte militärisch. Gleichzeitig wird diese Eskalation von zentralen internationalen Akteuren politisch geduldet – trotz offensichtlicher Verstöße gegen das Völkerrecht. Statt Deeskalation erleben wir eine faktische Rehabilitierung von Ahmed al-Sharaa (al-Jolani) als politischem Akteur.

Demgegenüber steht die Realität der multiethnischen Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien: Seit über zehn Jahren haben Kurd:innen, Araber:innen, Assyrer:innen, Armenier:innen, Ezid:innen dort ein System aufgebaut, welches sich auf Demokratie, Ökologie und die Freiheit der Frau stützt. Diese Strukturen streben keine Abspaltung, sondern eine konföderale Lösung innerhalb Syriens an. Frauen sind in allen politischen und gesellschaftlichen Ebenen gleichberechtigt organisiert und zentrale Trägerinnen des sozialen Wandels.

Gerade diese Errungenschaften stehen nun im Fokus gezielter Angriffe. Berichte über Enthauptungen, Entführungen, Massenvertreibungen, Angriffe auf Krankenhäuser und zivile Infrastruktur mehren sich. Städte werden belagert, Fluchtwege blockiert. Es drohen genozidale Akte gegen bestimmte Gruppen, weil sich die Angriffe gezielt gegen Kurd:innen, Êzîd:innen und andere Gruppen richten – so wie zuvor bereits gegen Alawit:innen und Drus:innen im Land. Gleichzeitig sind Gefängnisse mit tausenden IS-Kämpfern in die Hände der Angreifer gefallen – mit absehbaren sicherheitspolitischen Folgen weit über Syrien hinaus.

Das Schweigen der internationalen Gemeinschaft, insbesondere der EU und der Staaten der ehemaligen Anti-IS-Koalition, ist in diesem Kontext nicht neutral – es ist politisch wirksam und mitverantwortlich für die aktuellen Ereignisse in der Region. Es untergräbt die eigenen menschenrechtlichen und völkerrechtlichen Verpflichtungen und begünstigt weitere Gewalt, Vertreibung und Destabilisierung.

Wir werden mit Frauen von Feykom – Rat der kurdischen Gesellschaft in Österreich – über die aktuelle Lage in der Autonomen Selbstverwaltung Nord- und Ostsyriens (DAANES) und der Region insgesamt sprechen und was dies speziell für die Frauen bedeutet, auch über die geopolitische Situation und die Geschichte der Selbstverwaltung und Frauenrevolution und darüber, was getan werden muss.

Eine Veranstaltung von arge fem KPÖ im Rahmen des feministtuesday – immer an jedem dritten Dienstag im Monat in der Gusshausstraße 14/3, 1040 Wien.

Eintritt frei